Zwischen-Züge im Hafen

BL r07 01In Runde 3 in der Bezirksliga reiste unser Team zu FT Schierstein. Ziemlich genau vor zwei Jahren traten wir ebenfalls bei Schierstein an, damals machten die Schiersteiner gegen uns ihr erstes Heimspiel überhaupt - denn kurz zuvor erst hatten sie ihren Verein gegründet. Wir wurden dann in dieser Saison Meister - Schierstein zog im letzten Jahr nach, so trafen wir dann heute eine Klasse höher aufeinander.
Doch während unser Stamm von damals komplett erhalten blieb, war die Schiersteiner Mannschaft nicht wiederzuerkennen: nicht ein Spieler aus dem damaligen Team war heute dabei! Schierstein hat ordentlich "aufgerüstet" - was man schon daran sieht, daß sie den stärksten Spieler der Liga gemeldet haben.
Von einem glatten Sieg (wie damals) konnte also keine Rede sein. Außerdem mußten wir dann leider auch zu fünft anreisen, da ein Spieler sich krank melden mußte.

Schierstein spielt in der Hafenschule am Schiersteiner Hafen und verfügt dort über schöne und geräumige Spielmöglichkeiten. Da wir nur zu fünft dorthin reisten, entschieden wir uns, unsere Schwarzbrett abzugeben - an Brett 2 also ein kampfloser Punkt für Schierstein.
Am ersten Brett kam eine sehr geschlossene Eröffnung auf´s Brett, das Zentrum war verrammelt, allerdings klaffte auf beiden Seiten ein Loch in der Mitte. Für´s erste war Manövrieren angesagt. An Brett 3 ging Jupp es mit Weiß sehr gemütlich an - es ging ihm nicht darum, viel Eröffnungsvorteil aus der Stellung zu holen, sondern erst einmal ordentlich aus der Eröffnung zu kommen. Dieses Vorhaben lief bei Sophie leider nicht so glatt: mit Schwarz ließ sie sich in ein damenloses Mittelspiel drücken, indem sie nicht mehr rochieren konnte. Luca´s Stellung gefiel dem Mannschaftscaptain: der Gegner hatte rochiert, konnte aber dann nicht verhindern, daß ihm der Königsflügel aufgerissen wurde - der schwarze König verspürte Zugluft. Markus half uns diesesmal am 6. Brett aus. Er hatte Schwarz, spielte die Eröffnung solide und konnte nach Abschluß derselben sehr zufrieden sein: er hatte in ein Endspiel abgewickelt, indem er zumindest nicht schlechter stand.

Wir lagen ja 0 : 1 hinten - es war also die Frage, wo können wir denn den Anschlußtreffer machen?
Erster Kandidat war Luca. Ging da etwas auf dem Königsflügel? Luca entschied sich zum kleinen Handgemenge. In einer Abtauschserie hingen beide Läufer und Luca hatte die eigentlich gute Idee, seinen Läufer so teuer wie möglich zu verkaufen. Doch wenn man die Abwicklung nicht genau prüft, passiert es schonmal, daß sich der gegnerische Läufer mit einem Zwischenschach in Sicherheit bringt, darauffolgend der andere Läufer geschlagen wird und Schwarz eine Mehrfigur im Zählbeutel hat. Mist. Der zweite schwarze Läufer hätte dann vielleicht noch auf´s komplette Abstellgleis gedrängt werden können, aber Luca ließ stattdessen einen weiteren kleinen Trick zu, mit dem Schwarz den Läufer wieder in Freiheit bringen konnte. Luca gab auf. Lucas Leistungen sind leider noch nicht konstant genug und das war heute leider nicht sein bester Tag, nächstes Mal läuft´s bestimmt wieder besser.
Jupp spielte eine eigentlich ordentliche Partie. Er überließ dem Schwarzen etwas Raumvorteil, aber seine Stellung war gesund. Auf der einzig offenen Linie wurden alle Türme getauscht und mittlerweile standen sich auch die Damen dort abtauschbereit gegenüber, die Stellung war ziemlich im Gleichgewicht. Doch dann machte Schwarz einen kleinen Zwischentausch und Jupp prüfte das nicht, sondern schlug automatisch wieder. Damit wurde aber der schwarze Läufer aktiviert und schlug einen der weißen Springer. Beim geplanten Damentausch hätte dann dieser Läufer wieder zurückschlagen können und sich damit in Sicherheit bringen. Ein ähnliches Motiv wie an Brett 4 - Schiersteiner Spezial-Training? Jedenfalls reicht Jupp die Hand zur Aufgabe rüber. Sehr schade.
Damit also 0 : 3 und keinerlei Aussicht auf einen Mannschaftspunkt.
Sophie stand schlechter und hatte darüberhinaus auch zwei Minusbauern zu verwalten. Markus konnte in ein Bauernendspiel abwickeln, welches jedoch keine Gewinnchancen bot. Der Weiße bot Remis an und Markus akzeptierte. Markus ist kein Vorwurf zu machen. Der Wettkampf war verloren, das Endspiel nicht zu gewinnen. Markus hat eine ausgezeichnete Partie gegen einen nominell stärken Gegner gespielt! Glückwunsch zu dieser gelungenen Leistung!
Sophie konnte ihren Laden nicht zusammenhalten, die Figuren waren einfach zu unkoordiniert. Der Gegner sammelte noch mehr Material ein. Da der Wettkampf schon verloren war, gab Sophie dann auf.
Blieb noch das Frontbrett. Weiß konnte sich Raumvorteil erarbeiten und schließlich mit Hilfe eines Zwischenzugs (Springer hüpft in das Loch in der Mitte) den rückständigen gegnerischen Bauern erobern. Es wurde in ein Endspiel abgewickelt, indem Weiß einen A-Mehrbauern hatte, aber war dieser auch in den sicheren Hafen zu bringen? Schwarz war von dem Zentralspringer offenbar ziemlich genervt, denn um diesen abtauschen zu können, ließ er zu, daß Weiß noch einen zweiten und dann einen dritten Bauern gewann - die schwarzen Hoffnungen waren die ungleichfarbigen Läufer. Als dann aber schließlich noch der vierte Bauer fiel, hielt Schwarz die Uhr an.

Schierstein erwies sich als zu stark an diesem Tag. An eigentlich jedem Brett waren sie nominell favorisiert und das konnten sie auch gut umsetzen. 1,5 zu 4,5 aus Sicht von Geisenheim gegen den (?) Meisterschaftsfavoriten.


Die Einzelergebnisse:

FT Schierstein 1-SK 1950 Geisenheim 24,5 : 1,5
 
 Vacarescu, Catalin  -  Link, Michael 0 : 1
 Finke, Joachim  -  Daubitz, Werner + : -
 Schulz, Joachim    Magnus, Jupp 1 : 0
 Gruss, Stefan  -  Link, Sophie 1 : 0
 Clobes, Peter  -  Daubitz, Luca 1 : 0
 Staggat, Rolf    Szarka, Markus ½ : ½
       

Alle Ergebnisse des Spieltags gibt es hier.


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