Kuba - eine Schachreise von Axel Herms

IMG 0933Schach auf Kuba 2018

1.Havanna

Natürlich ist Schach und Kuba untrennbar mit dem ehemaligen Wunderkind und späteren 3. Weltmeister der Schachgeschichte, dem Kubaner Jose Raul Capablanca verbunden.

Während meines zweiwöchigen Urlaubs auf Kuba, kannte wirklich fast jeder, den ich auf Capablanca ansprach, seinen berühmten Landsmann. Das sollte ich wirklich auch mal hier in Deutschland probieren und meine Landsleute auf Emanuel Lasker, den einzigen deutschen Schachweltmeister ansprechen, sein Bekanntheitsgrad dürfte heute & hier bei weitem nicht so hoch sein, wie der seines Nachfolgers auf dem Schachthron in Kuba.

Leider ist gerade in Havanna selbst eher wenig von dem faszinierenden Schachphänomen  zu sehen. Zwar gibt es einen gleichnamigen Schachklub in der Hauptstadt, aber die Besitzerin meines kleinen Hotels, die selbst früher einmal dort spielte, riet mir von einer Stippvisite des Klubs ab, da das Viertel nicht zu den besten Havannas zählen würde. Auch nach einem Museum, Geburtshaus des Schachgenies oder ähnlichem sucht man vergebens.

Viel besser, aber in schachlicher Hinsicht weniger bekannt, schneidet da die kubanische und zu tiefst verehrte Ikone des Landes Ernesto ˋChè Guevara ab! Der berühmteste aller Revolutionäre war nämlich nicht nur als Aficionado der begehrten Havanna-Zigarren bekannt, sondern auch wegen seiner Leidenschaft zum Schach. Laut seinem argentinischen Landsmann ˋDon Miguelˋ Najdorf war Che ein Spieler der ersten Kategorie mit gutem Potential für mehr. Ein berühmtes Zitat des Wahlkubaners gegenüber dem bekannten tschechischen Schachmeisters & Lehrers Ludek Pachman lautet: ˋDu weißt, Kamerad Pachman, ich bin nicht gerne Minister, lieber würd ich Schach spielen wie du, oder in Venezuela eine Revolution durchführen.ˋ

Nicht umsonst widmete vor einiger Zeit das internationale Schachmagazin „New in Chess“ Che Guevara die Titelseite einer Ausgabe.... nicht ganz unumstritten, aber sehr lesenswert!

In der Hafenfestung ˋLa Cabanaˋ, die genau gegenüber der Altstadt auf einem Felsen thront, konnte ich dann das Schachvermächtnis Chè s bestaunen. In dem mächtigen Areal hatte der Revolutionär sein Hauptquartier aufgeschlagen. Hier kann man neben seinem Büro, in dem er Tribunal über mögliche Konterrevolutionäre hielt, und Privatschlafzimmer, auch einen Schachraum sehen, in dem neben vier spielbereiten Schachbrettern auch Fotos des schachspielenden Ernesto zu sehen sind.

2. Cienfuegos

Der 2te Teil meiner Reise führte mich in die Stadt Cienfuegos an die Westküste von Kuba. Die Innenstadt ist bekannt für ihre große Plaza Parque Jose Marti und die kilometerlange Flaniermeile direkt an der großen „Jaguar-Bucht“ hinaus zum Cap „La Punta“. In vielen Souvenirläden findet man, neben den allgegenwärtigen Motiven wie Sticker von Che & Fidel auch Schachbretter & Figuren in allen Variationen, zum Teil auch handgefertigt.

In Cienfuegos wird Schach durchaus im Alltag gelebt. Vor manchen Ständen oder kleinen Geschäften, sieht man sich die Besitzer die Zeit mit Schach an selbstgefertigten Brettern vertreiben, solang kein Kunde in Sicht ist. Die Zeit scheint hier durchaus langsamer zu fließen.... umso besser, da bleibt mehr davon, um gute Züge zu finden.

Letztendlich wurde ich in Cienfuegos auch nach einem Schachklub fündig. Das Gebäude, machte wie so viele auf Kuba, einen reichlich morbiden Eindruck. Aber nicht nur das Gebäude versprühte dort seinen eigenen Charme, sondern auch das gesamte Interior war sehr speziell. Unter den Augen der kubanischen Schach-Heros Capablanca & Che spielten zwei alte Haudegen eine Art 3D Schach an einem Schachtisch, dessen Brett keinesfalls mehr plan war, sondern einer Hügellandschaft glich, wie man sie auch im Hinterland der Insel nicht hätte besser finden konnte. In einem Nebenraum fand an dem Sonntagmorgen bereits Jugendtraining statt, während im Zimmer nebenan eine ernste Partie zwischen zwei ambitionierten Spielern zu bestaunen war.

Unsere Spielbedingungen & Spielmaterial zuhause müsste den anwesenden Mitgliedern wohl wie der siebte Schachhimmel vorkommen, dachte ich mir, während von Draußen die fröhlichen Klänge eines Sonntagsorchesters durch die offene Tür des Schachklubs drang. Genau das ist eben der Cubanian Way of Life und die Leute dort scheinen gut damit zurecht zu kommen.

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